Gefeiertes Konzert des Hochheimer Blasorchesters in Sankt Peter und Paul

 

Von Christine Dressler

HOCHHEIM (11.03.2013) - Wenn das Blasorchester Hochheim sie spielt, passen auch ein Michael-Jackson-Hit, Tango und Walzer in die spätbarocke katholische Pfarrkirche; dann klingen zwischen den Rokokoaltären sogar Filmmusik vom Italo-Western bis zum Dino-Thriller heilig. Das bewies das Orchester jetzt mit seinem Konzert in St. Peter und Paul.

„Fantastische Musik in einem fantastischen Raum“ hatte es angekündigt und enttäuschte das Publikum nicht. Mehr als 500 Besucher füllten die Kirche samt Empore. Sie klatschten sofort, als Dirigent Rail Grozenski vor die Musiker trat, und nach jedem der 15 Stücke. Am Ende applaudierten alle geschlossen stehend minutenlang – zum Finale und erneut nach jeder vehement geforderten Zugabe.

„So schnell können 110 Minuten vergehen: Danke für dieses eindrucksvolle Erlebnis! Vergelt’s Gott!“, sprach Pfarrer Markus Schmidt den Zuhörern aus dem Herzen. Er bettete die Stücke kurzweilig in spannende Hintergrundinformationen ein und ergänzte sie mit Bibelversen. Er hatte das Konzert auch initiiert. Vorsitzender Lothar Kaufmann berichtete, wie es dazu gekommen war. Er hatte Schmidt erzählt, dass das Blasorchester einen großen Saal suche, um aufzutreten, ohne sich für den Auf- und Abbau in der Georg-Hofmann-Halle Urlaub nehmen zu müssen. „Nach dem kurzen Gespräch mit unserem Pfarrer war klar: Wir gehen in die Kirche“, sagte Kaufmann. Aber ein Kirchenkonzert sollte es nicht werden. Deshalb studierte das Orchester einen abwechslungsreichen Mix ein – darunter geistliche Juwelen wie „The Young Maria“ des Franzosen Gounot, das geheimnisumwitterte, rund 300 Jahre alte „Adagio“ des venezianischen Komponisten Tomaso Albinoni oder drei Sätze aus Schuberts „Deutscher Messe“.

Für den Vorgeschmack war Schmidt besonders dankbar: „Seit ich auf der Welt bin und das sind bald 50 Jahre, ist die Deutsche Messe aus dem Gotteslob verbannt“. Erst im neuen, das zum 1. Advent komme, sei sie endlich wieder erhalten.

 

Besondere Akzente wie Soloparts überhöht auch fast jeden weltlichen Beitrag zusätzlich: Astor Piazollas „Oblivion“ und „Libertango“ aus Argentinien oder Otto Schwarz’ „Jazz Walz No. 1“ ebenso wie Filmhits vom Western „My Name is Nobody“ über das triumphale „1492 – The Conquest of Paradise“ bis zu „Jurrasic Park“. Statt einer Pause verzauberte die 18-jährige Abiturientin und evangelische Organistin Ann-Kathrin Hientzsch mit Rheinbergers komplexen „Meditationen“. Sie antwortete mit der „Königin der Musikinstrumente“ den Bläsern im „Danke“. Damit begann das Konzert und damit endete es auch – als letzte Zugabe nach „I will follow him“, auf eindringliche Bitte des Publikums. Mit ihm strahlte Kaufmann so wie Grodzenski und alle Musiker. Er sagte: „Applaus ist das Brot des Künstlers“ – und die Zuhörer, die mit Applaus, Spenden statt eines Eintritts und persönlich für das „fantastische Konzert“ dankten, „haben uns satt gemacht“.